WordPress zu Webflow migrieren: Ablauf, Kosten, SEO und typische Stolperfallen
Der Umzug ist ein Neubau: Inhalte ziehen per XML-Export, CSV-Umwandlung und Import in CMS-Collections um, Blogbeiträge alternativ per Marketplace-App, Design und Funktionen baust du neu. Rankings sicherst du am besten, wenn jede geänderte URL mindestens ein Jahr per 301-Redirect auf ihr Gegenstück zeigt. Risiken stecken vor allem in Blog-URLs ohne Ordner, Bildern ohne responsive Varianten und einem Redirect-Import, der alle Regeln überschreibt.
Einen Umzugsknopf gibt es nicht: Laut Webflows Übersicht zur Migration ist der Wechsel ein Neubau, kein Transfer. Die Anleitung für den Wechsel von WordPress nennt kein Import-Werkzeug, sondern diesen Weg: Inhalte aus WordPress als XML exportieren, mit einem Konverter in CSV umwandeln, in CMS-Collections importieren, danach Design, Weiterleitungen (Redirects) und SEO, zum Schluss veröffentlichen. Texte und Bilder ziehen also halbautomatisch um, Layout und Funktionen baust du neu. Unsere Einschätzung: Für deine Rankings ist die Liste deiner alten URLs wichtiger als jedes Designdetail.
Wie läuft eine Migration von WordPress zu Webflow ab?
In sechs Schritten, und die Reihenfolge zählt: Der URL-Plan steht vor dem ersten Import, der Launch kommt zuletzt.
- Inventur: Erfasse jede öffentliche URL, zum Beispiel aus der XML-Sitemap, also der Adressliste, die deine Seite für Suchmaschinen bereitstellt. In der Google Search Console, Googles Auswertung für Website-Betreiber, markierst du die Seiten, die Klicks bringen. Dazu kommt eine Liste aller Plugins mit der Funktion, für die du sie wirklich nutzt.
- Inhaltsmodell: Leg fest, was in Webflow eine CMS-Collection wird, also eine Sammlung gleichartiger Einträge wie Blogbeiträge, Kategorien oder Autoren, und was statische Seite bleibt. Startseite, Leistungen oder Kontakt baust du im Webflow-Designer neu, denn der CSV-Import füllt nur Collections.
- Export: Unter Werkzeuge > Daten exportieren erzeugt WordPress eine XML-Datei im WXR-Format, einer WordPress-Variante von XML. Laut WordPress-Dokumentation stecken darin Beiträge, Seiten, eigene Inhaltstypen, Kommentare, benutzerdefinierte Felder, Kategorien, Schlagwörter und Nutzer. Ein XML-zu-CSV-Konverter macht daraus Tabellen, die du bereinigst: eine Datei pro Collection. Für Blogbeiträge gibt es eine Abkürzung: Die kostenlose App WP to Webflow des Drittanbieters Eclipse SRL aus dem Webflow-Marketplace verbindet sich mit deiner live erreichbaren WordPress-Seite und überträgt laut Beschreibung Beiträge, Bilder, Kategorien und Schlagwörter in Webflow-Collections. Sie setzt einen CMS-Plan voraus, von SEO-Feldern oder Redirects ist in der Beschreibung keine Rede. Prüf das Ergebnis an Stichproben, vor allem die Slugs, denn auf ihnen baut deine Redirect-Liste auf.
- Import: Laut Webflow-Hilfe zum CSV-Import darf jede Datei bis zu 4 MB groß sein, wie viele Einträge insgesamt passen, hängt vom Site-Plan ab, also dem Webflow-Tarif der einzelnen Website. Importiere Kategorien und Autoren vor den Beiträgen: Referenzfelder, also Felder mit Verweis auf eine andere Collection, ordnet Webflow über den Namen oder den Slug des Ziel-Eintrags zu. Der Slug ist der letzte Teil der URL. Mehrere Verweise trennst du mit Semikolon.
- Aufbau und Redirects: Du gestaltest die Vorlagen für Collection-Seiten und die statischen Seiten und legst für jede geänderte URL eine dauerhafte 301-Weiterleitung an.
- Launch: Domain umstellen, veröffentlichen, alte URLs testen, neue Sitemap in der Search Console einreichen. Das alte WordPress schaltest du erst ab, wenn alle Importe durch und alle Weiterleitungen geprüft sind. Ein vollständiges Backup bleibt liegen.
Wie verhinderst du Rankingverluste beim Umzug?
Mit einer lückenlosen Weiterleitungsliste: Jede alte URL zeigt per 301 direkt auf ihr inhaltliches Gegenstück. Google empfiehlt in seiner Anleitung für Umzüge mit URL-Änderungen (aktualisiert am 20. August 2026) dauerhafte, serverseitige Weiterleitungen mit dem Statuscode 301 oder 308. Stehen lassen sollst du sie so lange wie möglich, in der Regel mindestens ein Jahr. Die wichtigsten Regeln daraus:
- Direkt zum Ziel: keine Redirect-Ketten, also keine Weiterleitung auf eine Adresse, die selbst wieder weiterleitet.
- Nicht pauschal auf die Startseite: Google rät ausdrücklich davon ab, viele alte URLs auf eine einzige unpassende Seite wie die Startseite umzuleiten.
- Interne Links umstellen: Menüs, Buttons und Links im Text zeigen auf die neuen URLs, nicht auf alte, die erst weiterleiten.
- Canonical setzen: Jede Seite verweist per Canonical-Tag auf sich selbst. Das Tag sagt Suchmaschinen, welche Adresse die maßgebliche ist.
- Sitemap tauschen: Neue Sitemap in der Search Console einreichen, die alte entfernen.
Schwankungen bleiben trotzdem: Google kündigt sie selbst an, solange es die Seite neu einliest und indexiert. In der Search Console zeigen dir die Berichte zu Sitemaps, Indexierung und Suchanfragen, ob der Traffic von den alten auf die neuen URLs wandert.
In Webflow liegen die Redirects unter Site settings > Publishing > 301 redirects. Laut Webflow-Hilfe zu Redirects brauchst du dafür einen bezahlten Site-Plan oder einen bezahlten Workspace-Plan (den Tarif für den Arbeitsbereich deines Teams), wirksam werden die Regeln erst nach dem Veröffentlichen. Ganze Ordner leitest du mit Platzhaltern um: Die Regel /blog/(.*) mit dem Ziel /artikel/%1 schickt jede alte Blog-URL auf die neue Adresse mit demselben Slug. Als Obergrenze empfiehlt Webflow 1.000 Redirects, eine harte Grenze gibt es derzeit nicht.
Welche URLs übernimmt Webflow, und wo musst du umleiten?
Statische Seiten kannst du in Webflow meist unter derselben Adresse anlegen, Blogbeiträge nicht immer. Jeder Collection-Eintrag liegt in einem Ordner: Die Collection-URL bildet den Ordner, der Slug des Eintrags folgt dahinter, etwa /post/mein-beitrag (Webflow-Hilfe zu Collections). Den Ordnernamen wählst du selbst. Wie viel Arbeit auf dich zukommt, hängt von der Permalink-Struktur ab, also dem URL-Schema, das in WordPress unter Einstellungen > Permalinks eingestellt ist:
| Permalink in WordPress | Beispiel | Was du in Webflow tust |
|---|---|---|
| Beitragsname mit festem Ordner | /blog/mein-beitrag/ | Collection-URL ebenfalls blog nennen und Slugs übernehmen, dann bleibt der Pfad erhalten. Bei neuem Ordnernamen reicht eine Platzhalter-Regel |
| Datum im Pfad | /2025/03/mein-beitrag/ | eine CSV-Liste mit einer Zeile pro Beitrag oder eine Platzhalter-Regel je Monatsordner |
| Beitragsname direkt hinter der Domain | /mein-beitrag/ | eine Weiterleitung pro Beitrag, denn eine Platzhalter-Regel auf /(.*) würde jede Adresse der Domain erfassen |
Dazu kommen Slugs, die Webflow so nicht übernehmen kann. In Seiten-URLs unterstützt Webflow laut Hilfe zu Seiten-URLs nur lateinische Kleinbuchstaben von a bis z und Ziffern, Großbuchstaben wandelt es automatisch um. Alte Adressen mit Umlauten oder Sonderzeichen ändern sich dadurch und brauchen je eine eigene Weiterleitung. Teste bei der Abnahme alte Adressen auch mit abschließendem Schrägstrich.
Welche Stolperfallen kosten bei der Migration am meisten?
Diese fünf, weil man sie vor dem Launch leicht übersieht und danach Besucher und Google auf Fehlerseiten oder halbfertigen Inhalten landen.
- Ein Redirect-Import löscht alle bisherigen. Webflow nimmt Weiterleitungen auch als CSV mit zwei Spalten an, alter und neuer Pfad, bis 16 MB pro Datei. Laut Webflow-Hilfe zum Redirect-Import überschreibt aber jeder neue Import sämtliche bestehenden Redirects. Lädst du eine zweite Liste nach, sind die Regeln der ersten weg, und alle dort erfassten alten URLs enden auf Fehlerseiten. Deshalb vor jedem Import exportieren, zusammenführen, dann hochladen. Schon eine ungültige Zeile lässt den ganzen Import scheitern.
- Eine Seite blockiert die Weiterleitung. Existiert unter dem alten Pfad noch eine Seite, musst du sie laut Webflow löschen, als Entwurf speichern oder ihren Slug ändern, bevor du die Weiterleitung einrichten kannst.
- Bilder ohne responsive Varianten. Per CSV importierst du Bilder über ihre direkte URL. Für so importierte Bilder erzeugt Webflow laut der oben verlinkten Hilfe zum CSV-Import keine responsiven Varianten, also keine kleineren Fassungen für Smartphones. Bring große Dateien deshalb vor dem Import auf eine sinnvolle Größe, sonst laden Handys das volle Original. Und schalte die alte Seite nicht ab, solange importiert wird: Die Bild-URLs müssen erreichbar sein.
- Shortcodes und Page-Builder. Shortcodes sind laut WordPress-Dokumentation WordPress-spezifische Codes, geschrieben in eckigen Klammern. Außerhalb von WordPress führt sie niemand aus, im Rich-Text-Feld (dem Fließtextfeld einer Collection) stehen sie dann als bloßer Text. Eingebettetes HTML übernimmt Webflow zwar, kann es laut Import-Hilfe aber bereinigen und dabei nicht unterstützte Elemente, Klassen und Attribute entfernen. Such vor dem Import nach eckigen Klammern und ersetze Galerien, Formulare oder Buttons. Seiten aus Page-Buildern, also Baukasten-Plugins für Layouts, planst du direkt als Neubau ein: Der Import überträgt Inhalte in Felder, kein Design.
- Plugins ohne Gegenstück. Formulare, Kommentare, Shop, Mitgliederbereich, Mehrsprachigkeit: Der CSV-Import bringt Inhalte in Collections, keine Funktionen. Jede Zeile deiner Plugin-Liste braucht einen Ersatz in Webflow, einen externen Dienst oder die bewusste Entscheidung, sie zu streichen. Fehlt das Kontaktformular am Launch-Tag, gehen Anfragen verloren. Auch Meta-Titel und -Beschreibungen aus deinem SEO-Plugin ziehen nicht von allein um. Webflows Anleitung nennt sie ausdrücklich als Teil der SEO-Etappe, prüf also, ob sie unter den benutzerdefinierten Feldern im Export auftauchen, und leg in der Collection eigene Felder dafür an.
Was kostet der Umzug von WordPress zu Webflow?
Zwei Posten: das einmalige Projekt und der laufende Webflow-Plan. Das Projekt wird umso teurer, je mehr Seitentypen, Inhalte, Plugin-Funktionen und geänderte URLs du mitbringst. Zur Einordnung: Bei blocks&colors starten Webflow-Websites bei rund 3.000 Euro, unsere Projekte dauern typischerweise 2 bis 8 Wochen.
| Kostentreiber | Warum er Aufwand macht | So hältst du ihn klein |
|---|---|---|
| Seitentypen | Jedes Layout wird in Webflow neu gebaut | Ähnliche Vorlagen zusammenlegen |
| Inhaltsmenge | CSV aufbereiten, Bilder verkleinern, Shortcodes ersetzen | Veraltete Beiträge vor dem Export aussortieren |
| Plugin-Funktionen | Formulare, Shop oder Mehrsprachigkeit brauchen Ersatz | Nur übernehmen, was nachweislich genutzt wird |
| Geänderte URLs | Jede braucht eine geprüfte Weiterleitung | Ordner und Slugs beibehalten, wo es geht |
Laufend kommt der Webflow-Plan dazu. Ohne bezahlten Plan gibt es keine Redirects, und wie viele CMS-Einträge du importieren kannst, hängt ebenfalls vom Plan ab. Zähl deshalb Beiträge, Kategorien und Autoren zusammen, bevor du auf der Webflow-Preisseite einen Plan wählst, und stell dem gegenüber, was dich WordPress heute an Hosting, Wartung und Plugin-Lizenzen kostet.
Unsere Einschätzung: Meist sprengt nicht das Design das Budget, sondern die Aufräumarbeit: Shortcodes, verwaiste Kategorien, Bilder in Originalgröße und Plugins, von denen niemand mehr weiß, wozu sie da sind. Jede dieser Fragen braucht eine Entscheidung, die kein Konverter trifft. Wer die Inventur vorher erledigt, bekommt ein belastbares Angebot und weniger Nachträge. Wie wir Webflow-Projekte angehen, steht auf unserer Seite zur Webflow-Agentur, ein Beispiel für einen Relaunch ist unser Projekt für die SSI Group.
Was heißt das für dich?
Bevor du Angebote einholst oder selbst loslegst, kläre fünf Punkte. Mit ihnen lässt sich der Aufwand seriös schätzen:
- URL-Liste: alle öffentlichen Adressen, ihre Klicks und ihr neues Ziel. Sie bestimmt den Redirect-Aufwand stärker als jede andere Zahl.
- Permalink-Struktur: Liegen deine Beiträge direkt hinter der Domain und sind es mehr als 1.000, überschreitest du Webflows Richtwert für Redirects. Dann lohnt die Frage, welche alten Beiträge überhaupt umziehen müssen, entschieden nach Klicks und eingehenden Links.
- Plugin-Liste: pro Plugin eine Entscheidung, ersetzen, extern lösen oder streichen.
- Launch-Termin: nicht direkt vor Messe, Saison oder Kampagne, denn Google kündigt Rankingschwankungen an, solange es die Seite neu einliest.
- Zuständigkeit: Eine Person verantwortet die Redirect-Liste mindestens ein Jahr lang und lädt nie eine neue CSV hoch, ohne vorher zu exportieren.
Wenn du die Inventur nicht allein angehen willst, schreib uns.
Häufige Fragen
Kann ich die Migration ohne Agentur selbst stemmen?
Bei einer kleinen Seite mit wenigen Beiträgen und ohne Spezial-Plugins meist ja: Export, CSV-Import und eine Redirect-Liste sind mit Sorgfalt machbar. Kommen Hunderte Beiträge, mehrere Sprachen oder Shop- und Formularfunktionen dazu, steigt das Risiko vergessener URLs deutlich.
Was passiert mit den Kommentaren aus WordPress?
Sie stecken im WordPress-Export, Webflows CSV-Import füllt aber nur CMS-Collections. Du kannst alte Kommentare als eigene Collection übernehmen und unter den Beiträgen anzeigen oder für neue Kommentare einen externen Dienst einbinden.
Wie lange dauert es, bis Google die neuen URLs zeigt?
Laut Google kann es bei mittelgroßen Websites einige Wochen oder länger dauern, bis die neuen URLs in den Suchergebnissen erscheinen, große Websites brauchen länger. Rankingschwankungen in dieser Zeit sind normal.
Brauche ich in der Search Console das Tool zur Adressänderung?
Nur wenn du dabei auf eine andere Domain oder Subdomain wechselst, etwa von beispiel.de auf beispiel.com. Bleibt die Domain gleich und ändern sich nur die Pfade, reichen Redirects und die neue Sitemap. Auch für den Wechsel auf HTTPS oder zwischen www und ohne www brauchst du es laut Google nicht.
Kann ich alte Beiträge beim Umzug einfach weglassen?
Ja, aber mit Folgen: Ohne Weiterleitung liefert die alte URL eine Fehlerseite, ihre Rankings und eingehenden Links gehen verloren. Gibt es einen thematisch passenden neuen Beitrag, leite dorthin weiter, aber nie pauschal auf die Startseite.
Quellen
- Google Search Central: Website mit URL-Änderungen verschieben
- Webflow Help: Migrate your site from WordPress to Webflow
- Webflow Help: How do I set up redirects in Webflow?
- Webflow Help: Import/export 301 redirects
- Webflow Help: How do I import content into the Webflow CMS?
- WordPress Documentation: Tools Export screen
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