Digitalbonus Niedersachsen ausgelaufen: Fünf Förderwege für KMU im Raum Osnabrück
Den Digitalbonus Niedersachsen gibt es seit Anfang 2026 nicht mehr, einen Nachfolger nennt die NBank nicht. Für Digitalprojekte im Raum Osnabrück sind vor allem fünf Wege wichtig: BAFA-Beratungsförderung, INQA-Coaching, das NBank-Programm nIFP, der KfW-Förderkredit Digitalisierung mit kleinem Zuschuss und das kostenfreie Mittelstand-Digital Zentrum. BAFA-Richtlinie und Zentrum laufen in ihrer jetzigen Form Ende 2026 aus.
Gibt es den Digitalbonus Niedersachsen noch?
Nein. Die Richtlinie Digitalbonus.Niedersachsen-innovativ ist mit Ablauf des 31. Dezember 2025 außer Kraft getreten, die NBank führt das Programm unter den ausgelaufenen Förderungen. Es gab bis zu 35 Prozent Zuschuss für kleine und bis zu 20 Prozent für mittlere Unternehmen, zwischen 3.000 und 50.000 Euro, vor allem für Hard- und Software. Einen Nachfolger nennt die NBank auf der Programmseite nicht.
Damit fällt der direkte Zuschuss zum Kauf von Hard- und Software weg. Auch das Bundesprogramm „Digital Jetzt“ war nur bis Ende 2023 befristet. Zum Vergleich: Bei 30.000 Euro förderfähigen Ausgaben für Hard- und Software konnte ein kleines Unternehmen bis zu 10.500 Euro Zuschuss bekommen. Finanzierst du dasselbe heute über den KfW-Kredit und es zählt als Stufe 2, bleiben 900 Euro. Gefördert werden heute vor allem Beratung, Veränderung im Team, echte Entwicklungsarbeit und die Finanzierung der Umsetzung. Welcher Topf passt, hängt deshalb vom Vorhaben ab.
Welcher Förderweg passt zu welchem Digitalprojekt?
Das hängt davon ab, ob du ein Konzept, eine Veränderung im Team, eine Neuentwicklung oder die Umsetzung fördern lassen willst. Die Tabelle zeigt die Werte für Unternehmen im Raum Osnabrück, Stand 5. Oktober 2026.
| Vorhaben | Passender Weg | Was du bekommst | Frist |
|---|---|---|---|
| Klären, wo KI oder Automatisierung lohnt | Mittelstand-Digital Zentrum Lingen.Münster.Osnabrück | kostenfreier KI-Schnell-Check, Workshops, Praxisprojekte | Zentrum gefördert bis Dezember 2026 |
| Konzept mit externer Beratung, etwa eine Prozessanalyse | BAFA-Förderung von Unternehmensberatungen | 50 Prozent, höchstens 1.750 Euro | Antrag bis 31. Dezember 2026 |
| Abläufe und Rollen neu ordnen, weil Software oder KI kommt | INQA-Coaching | 80 Prozent von bis zu 12 Beratertagen, Tagessatz bis 1.200 Euro netto | Schecks bis 30. Juni 2028 |
| Neues digitales Produkt oder Verfahren mit eigener Entwicklung | nIFP der NBank | bis 35 Prozent, höchstens 100.000 Euro | laufend, Antrag vor Projektstart |
| Umsetzung finanzieren, etwa Systeme vernetzen oder KI mit eigenen Daten | KfW ERP-Förderkredit Digitalisierung | Kredit plus 3 oder 5 Prozent Zuschuss | Kreditantrag über die Bank vor Projektstart |
Unsere Einschätzung: Für die meisten Automatisierungsprojekte im Mittelstand sind der kostenfreie Check, die BAFA-Beratung und der KfW-Kredit die realistischen Bausteine. Das nIFP passt nur, wenn du tatsächlich etwas entwickelst.
Was musst du bei der BAFA-Beratungsförderung bis Jahresende beachten?
Vor allem Frist und Reihenfolge. Die Förderrichtlinie des BAFA gilt bis zum 31. Dezember 2026, entscheidend ist das Datum deines Antrags. Eine Nachfolgeregelung kündigt die BAFA-Seite bisher nicht an.
- Fördersatz: Im Raum Osnabrück übernimmt das BAFA 50 Prozent von höchstens 3.500 Euro Beratungskosten, also bis zu 1.750 Euro. Die 80 Prozent gibt es nur in den neuen Bundesländern (ohne Berlin und die Region Leipzig) sowie in den Regionen Lüneburg und Trier.
- Kontingent: höchstens zwei geförderte Beratungen pro Jahr und fünf über die gesamte Laufzeit.
- Reihenfolge: erst online beantragen, dann das Informationsschreiben abwarten, dann unterschreiben. Schon der Vertrag mit dem Berater gilt als Beginn der Beratung.
- Umfang: höchstens fünf Beratertage zu je acht Stunden. Abrechnen musst du innerhalb von sechs Monaten nach dem Informationsschreiben.
- Ausschlüsse: Nicht gefördert wird eine Beratung, deren Zweck der Kauf von Waren oder Dienstleistungen ist, die der Berater selbst vertreibt. Beratungen, die sich überwiegend um Fördermittel drehen, ebenfalls nicht.
Gefördert wird eine konzeptionelle Beratung: Analyse, Schwachstellen und Empfehlungen samt Anleitung zur Umsetzung. Ein Beispiel, das passt: Ein Berater nimmt deinen Angebotsprozess auseinander, zeigt die Medienbrüche und empfiehlt, welche Schritte sich automatisieren lassen. Unsere Einschätzung: Trenne Konzept und Umsetzung sauber. Ein Bericht, der am Ende nur das Produkt des Beraters empfiehlt, bringt den Zuschuss in Gefahr.
Wann lohnt sich INQA-Coaching für ein Digitalisierungsprojekt?
Wenn nicht die Technik das Problem ist, sondern Abläufe, Zuständigkeiten und Zusammenarbeit. Die aktuelle Richtlinie zum INQA-Coaching des Bundesarbeitsministeriums stammt vom 12. Juni 2026. Gefördert werden 80 Prozent von bis zu zwölf Beratertagen, der Tagessatz ist auf 1.200 Euro netto begrenzt. Bei vollem Tagessatz sind das 960 Euro Zuschuss pro Tag, über zwölf Tage 11.520 Euro.
Die wichtigsten Bedingungen:
- weniger als 250 Beschäftigte, mindestens zwei Jahre am Markt und mindestens eine sozialversicherungspflichtige Vollzeitkraft
- der Veränderungsbedarf hängt mit einer nachvollziehbaren digitalen Transformation im Betrieb zusammen
- Einstieg über eine kostenlose Erstberatung bei einer regionalen INQA-Beratungsstelle, die den Coaching-Scheck ausstellt; den Coach wählst du selbst aus einem Pool autorisierter Coaches
- gearbeitet wird nach einer festen agilen Methode, mit Lenkungskreis und einem Lab-Team aus Beschäftigten
- du zahlst zuerst und bekommst den Zuschuss erstattet, 20 Prozent trägst du selbst
Ein Beispiel, das in dieses Raster passt: Eine Automatisierung schreibt künftig Angebotsentwürfe, und der Innendienst muss klären, wer prüft, freigibt und Sonderfälle übernimmt. Das Coaching begleitet diese Neuordnung, die Automatisierung selbst bezahlt es nicht. Coaching-Schecks gibt es bis zum 30. Juni 2028, abgeschlossen sein muss alles bis Ende 2028.
Für wen lohnt sich das Innovationsprogramm nIFP der NBank?
Für Unternehmen, die etwas Neues entwickeln und nicht nur einführen. Das niedrigschwellige Innovationsförderprogramm der NBank (nIFP) fördert Vorhaben, bei denen du mit eigener Entwicklungsarbeit ein neues oder verbessertes vermarktbares Produkt, Produktionsverfahren oder eine Dienstleistung schaffst, die über den bisherigen Stand der Technik in deinem Unternehmen hinausgeht.
- Zuschuss: bis zu 35 Prozent, höchstens 100.000 Euro. Die 45 Prozent gelten nur für kleine Unternehmen in der Übergangsregion Lüneburg, der Raum Osnabrück gehört nicht dazu.
- Haken 1: Fremdleistungen und Investitionen dürfen jeweils höchstens die Hälfte der förderfähigen Ausgaben ausmachen. Ohne eigene Entwicklerinnen und Entwickler wird es eng.
- Haken 2: Prozess- und Organisationsinnovationen fördert das Programm erst, wenn die förderfähigen Ausgaben 200.000 Euro übersteigen. Routineänderungen sind ausgeschlossen.
- Themenfeld: Das Vorhaben muss zu einem Stärkefeld der niedersächsischen Innovationsstrategie passen, dazu gehört das Querschnittsfeld „Digitale Wirtschaft“.
- Antrag: vor Projektbeginn über das Kundenportal der NBank.
Unsere Einschätzung: Wer eine Kundenplattform oder Web-App als neues Angebot baut und einen guten Teil davon mit eigenem Team entwickelt, sollte das nIFP prüfen. Für die interne Automatisierung der Rechnungsprüfung passt es in der Regel nicht.
Wie hilft der KfW-Förderkredit bei der Umsetzung?
Er finanziert die Umsetzung selbst, also Hard- und Software samt interner und externer Personalkosten und Beraterkosten. Ab Stufe 2 gibt es zusätzlich einen Zuschuss. Der ERP-Förderkredit Digitalisierung kennt drei Stufen:
- Basisdigitalisierung: zum Beispiel Hardware, Netzwerke, Umzug in die Cloud. Nur für KMU, die vorher den KfW-Digitalisierungs-Check gemacht haben, ohne Zuschuss.
- LevelUp-Digitalisierung: Systeme werden vernetzt, etwa CRM oder ERP, digitale Workflows mit Geschäftspartnern oder digitale Vertriebskanäle. Zuschuss: 3 Prozent des ausgezahlten Kredits.
- HighEnd-Digitalisierung: zum Beispiel KI, die unternehmensinterne Daten nutzt. Standardsoftware mit eingebauten KI-Funktionen zählt ausdrücklich nicht. Zuschuss: 5 Prozent.
Der Zuschuss ist auf 200.000 Euro begrenzt und gilt als De-minimis-Beihilfe. Den Kredit beantragst du über deine Bank, bevor das Vorhaben beginnt, den Zuschuss mit dem Kreditantrag oder spätestens drei Monate nach der Kreditzusage. Zur Größenordnung: Bei 40.000 Euro Kredit für ein KI-Projekt in Stufe 3 sind das 2.000 Euro. Unsere Einschätzung: Der Zuschuss allein rechtfertigt keinen Kredit. Wenn du die Umsetzung ohnehin finanzierst, nimmst du ihn mit.
Was bietet das Mittelstand-Digital Zentrum, und warum gerade jetzt?
Kostenfreie, anbieterneutrale Unterstützung, in der heutigen Form aber nur noch bis Dezember 2026. Das Mittelstand-Digital Zentrum Lingen.Münster.Osnabrück, an dem unter anderem die Hochschule Osnabrück beteiligt ist, wurde mit Schwerpunkt KI bis einschließlich Dezember 2026 verlängert.
Was du dort bekommst:
- den KI-Schnell-Check: ein Einzelgespräch von etwa einer Stunde, online oder vor Ort, mit Ergebnisbericht
- Workshops, Demonstratoren und gemeinsame Praxisprojekte
- am 4. November 2026 den kostenlosen Online-Impuls „KI-Agenten verstehen: Von der Chat-Nutzung zur Prozessautomatisierung“
Ab 2027 baut das Bundeswirtschaftsministerium das Netzwerk um. Laut Förderbekanntmachung sollen zunächst sechs regionale Zentren entstehen, die jeweils mindestens zwei Bundesländer abdecken. Niedersachsen gehört dann mit Bremen und Sachsen-Anhalt zur Region Nord-West-Mitte, je Land ist mindestens eine physische Anlaufstelle vorgesehen. Wo die niedersächsische liegen wird, steht in der Bekanntmachung nicht.
Für Unternehmen aus der Stadt Osnabrück kommt die WFO dazu: Sie informiert über Fördermittel von Bund, Land, EU und Region und lädt am 8. Dezember 2026 zu „Fördermittel & Frühstück“ ein, mit einem Vortrag der NBank zu aktuellen Innovationsprogrammen.
Was heißt das für dich?
Plane Förderung vom Projekt her, nicht vom Programm. Fünf Schritte:
- Vorhaben einordnen: Geht es um ein Konzept, um Veränderung im Team, um eine Neuentwicklung oder um die Umsetzung? Daraus folgt der Weg in der Tabelle oben.
- Nichts unterschreiben, bevor der Antrag läuft. Beim BAFA zählt schon der Vertrag als Beginn, bei nIFP und KfW muss der Antrag vor dem Projektstart gestellt sein, beim INQA-Coaching brauchst du zuerst den Scheck.
- Das BAFA-Kontingent für 2026 nutzen, wenn ein Konzept ansteht. Hast du dieses Jahr noch nichts beantragt und von deinen fünf Beratungen noch mindestens zwei frei, gehen bis zum 31. Dezember noch zwei Beratungen.
- Den KI-Schnell-Check noch 2026 machen, solange das regionale Zentrum in seiner jetzigen Form arbeitet.
- Nicht auf einen neuen Digitalbonus warten. Unsere Einschätzung: Trägt sich ein Automatisierungsprojekt in zwölf Monaten, kostet jeder Monat Warten rund ein Zwölftel der Investition an entgangener Ersparnis. Ein Zuschuss von 25 Prozent wäre nach drei Monaten aufgezehrt, und ob überhaupt ein neues Programm kommt, ist offen.
Wir setzen KI-Automatisierung, Web-Apps und Websites um und begleiten als Webflow-Agentur in Osnabrück auch Relaunches. Wenn du wissen willst, welcher Förderweg für dein Vorhaben realistisch ist, schreib uns.
Häufige Fragen
Wird ein Website-Relaunch in Niedersachsen noch gefördert?
Der naheliegende Weg ist der KfW-Förderkredit Digitalisierung: Die KfW nennt die grundlegende Neugestaltung einer Unternehmenswebsite oder App mit neuen Funktionen, etwa interaktiven Anwendungen für Kunden, als Beispiel für Stufe 2. Dann gibt es Kredit plus 3 Prozent Zuschuss. Ein neues Design ohne neue Funktionen führt die KfW dort nicht auf.
Kann ich BAFA-Beratung und INQA-Coaching kombinieren?
Nicht für dieselbe Beratung: Das BAFA schließt Beratungen aus, die ganz oder teilweise mit anderen öffentlichen Zuschüssen finanziert werden. Außerdem sind beide Zuschüsse De-minimis-Beihilfen, die zusammen mit anderen solchen Beihilfen in drei Jahren 300.000 Euro nicht überschreiten dürfen.
Bekommen junge Unternehmen die BAFA-Beratungsförderung?
Ja. Wer bei Antragstellung noch kein Jahr am Markt ist, muss zusätzlich ein Informationsgespräch mit einem regionalen Ansprechpartner führen. Es darf frühestens drei Monate vor dem Antrag stattfinden und muss vor dem Verwendungsnachweis erledigt sein.
Gibt es Förderung für KI-Schulungen im Team?
Das Mittelstand-Digital Zentrum Lingen.Münster.Osnabrück bietet KMU aus Weser-Ems und dem Münsterland einen kostenlosen siebenwöchigen KI-Grundlagenkurs an, für die Runde bis 10. November 2026 ist die Anmeldung geschlossen. Im KfW-Förderkredit Digitalisierung können Weiterbildungen der Mitarbeitenden Teil eines geförderten Vorhabens sein.
Gibt es Geld für neue digitale Geschäftsmodelle?
Das Innovationsprogramm für Geschäftsmodelle und Pionierlösungen (IGP) des Bundes fördert auch nichttechnische Innovationen wie digitale Dienstleistungen oder Plattformkonzepte. Der Aufruf vom 10. Juni 2026 stand nur Projekten mit mindestens zwei Unternehmen offen und endete am 20. August. Laut WFO plant das Bundeswirtschaftsministerium noch 2026 einen weiteren Aufruf.
Quellen
- NBank: Digitalbonus.Niedersachsen-innovativ (ausgelaufen)
- BAFA: Förderung von Unternehmensberatungen für KMU
- BMAS: Richtlinie INQA-Coaching vom 12. Juni 2026 (Bundesanzeiger)
- NBank: Produktinformation Niedrigschwelliges Innovationsförderprogramm nIFP (Stand 16.06.2026)
- KfW: ERP-Förderkredit Digitalisierung (511, 512)
- Mittelstand-Digital Zentrum Lingen.Münster.Osnabrück: Förderung verlängert
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